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Die Vereins-Chronik

Sonntag, 28. Februar 2010 15:24

Eine Chronik der letzten 100 Jahre zu schreiben, ist natürlich nie einfach. Ganz besonders nicht, wenn es keine oder nur wenige alte Auzeichnungen gibt.
Deshalb mussten wir uns für die Texte auf den folgenden Seiten quer durch den Ort fragen, Zeitzeugen oder Bekannte und Verwante von Zeitzeugen finden und aus den Archiven des Ortes, der Kirche und der anderen Ortsvereine die Schnippsel sammeln, die die Kirmesgesellschaft betreffen.

Diese Arbeit ist hauptsächlich von Helmut Schüller anlässlich des letzten Jubiläums erledigt worden. Danke dafür!

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Viele Neuerungen

Sonntag, 28. Februar 2010 15:23

Geschrieben von: Helmut Schüller
Auch die Kirmesgesellschaft baute 1984. Das Problem des Baumaufstellens noch in Erinnerung, entschloß sich der Verein ein neues Baumloch wieder vor der Kirche zu bauen. Den Baum am neuen alten Platz konnten die Kesselheimer jedoch nur sehr kurz in voller Pracht bewundern. Ein starker Sturm brach die Baumspitze nur wenige Stunden nach dem Aufstellen ab. Zu Schaden kam niemand. Ein Mißgeschick kommt selten alleine. Der Weckzug mußte ohne das traditionelle Abschießen der Böller stattfinden, denn der Schießmeister war am Sonntagmorgen unauffindbar.
Nicht nur die traditionelle Kirmes ist die Aufgabe der Kirmesgesellschaft. So erklärte sie sich 1985 bereit die Organisation des von den Kindern sehr geschätzten Martinumzuges zu übernehmen. Bis heute ist sie für den reibungslosen Ablauf zuständig.
Bestärkt vom Erfolg des langen Brotes für die Spendenaktion Sorgenkind, veranstaltete sie 1985 am Kirmessonntag einen bunten Nachmittag zu Gunsten des Kesselheimer Kindergartens. Der Erlös 1.100,– DM kam der Inneneinrichtung des Kindergartens zu Gute.
Die Jahre gehen auch nicht nur spurlos an einem Verein vorüber. 1986 stand die erste Restauration der Fahne an. Zwei weitere notwendige Restaurationen folgten.
Da der Frühschoppen am Montag nicht mehr so besucht wurde wie all die Jahre zuvor, bekam das Kirmesprogramm einen weiteren Programm¬punkt. Ein Dämmerschoppen wurde ins Leben gerufen. Er wurde sofort akzeptiert und ist heute nicht mehr weg zu denken. Der Dämmerschoppen fand zuerst im Vereinshaus statt. Da die
Kirmesgesellschaft seit 1988 das Grundstück neben dem Kirmesplatz von unserem Ehrenmitglied Hans Raffauf nutzen darf, wanderte der Dämmerschoppen nach draußen neben denn Kirmesplatz.
In den folgenden Jahren wandelte sich der freitagabendliche Discoabend zu einem Bistroabend und wanderte schließlich als Gartenparty in die neben dem Kirmesplatz aufgestellten Bierzelte.
Trotz eines zu kleinen Kirmesplatzes konnte 1995 ein Autoscooter nach Kesselheim verpflichtet werden. Dies wurde möglich da sich unsere Ehrenmitglieder Herr Willi Bubenheim und Herr Hans Raffauf bereit erklärten hierfür ihre Grundstücke zur Verfügung zu stellen.
Das schlimme Hochwasser von 1993 und 1995 noch im Kopf verloste 1995 die Kirmesgesellschaft einen Ballonflug zu Gunsten der Hochwasserhilfe. Einen Erlös von 2.700,– Mark konnten somit der Freiwilligen Feuerwehr Kesselheim übergeben werden.
Die Kirmesgesellschaft konzentriert sich nicht nur auf die Kirmes. Als fester Bestandteil der jährlichen Aktivitäten sind unter anderem Teilnahmen an den Fastnachtsumzügen, belohnt mit einigen guten Plazierungen, zu nennen. Einmal im Jahr, meistens Anfang Mai, gibt es einen Ausflug für die Mitglieder und die es werden wollen. Auch nicht zu vergessen ist das Aktivenessen einige Wochen nach der Kirmes. Dies ist ein DANKE SCHÖN der Kirmesgesellschaft an alle Aktiven die zum Gelingen der Kirmes ihren Beitrag geleistet haben. Ohne die freiwillige Hilfe dieser Aktiven könnte Kesselheim nicht jedes Jahr eine so schöne Kirmes feiern.

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Guinessbuch der Rekorde

Sonntag, 28. Februar 2010 15:22

Geschrieben von: Helmut Schüller
Die Hilfe beim Baumaufstellen wurde immer weniger. Da sich dann noch in einem Nachbarort ein schwerer Unfall beim Aufstellen des Baumes ereignete, wird seit 1980 der Kirmesbaum aus Sicherheitsgründen mit Hilfe eines Kranwagens aufgestellt. Stolze 29 m betrug seine Länge damals, was – wie jedes Jahr – 3 Meter höher ist, als der St. Sebastianer Kirmesbaum.
Im gleichen Jahr startete die Kirmesgesellschaft eine Spendenaktion für die Aktion Sorgenkind. Ein 100 Meter langes Brot, gebacken von Klaus Scherer und Waldemar Bur, aufgebaut in der Martinusstraße wurde in Windeseile von den Besuchern verspeist. Der Erlös hieraus betrug 3.333,33 DM. Diese Ereignis blieb sogar dem Fernsehteam des ZDF nicht verborgen, welches hierüber in Bild und Ton berichtete. Ein bunter Nachmittag mit Wurfbuden, Blumen- und Gemüsestand, 25 Biersorten aus Deutschland und dem angrenzendem Ausland und ein Pferdegespann zum Mitfahren bildeten den Rahmen.
Der Frühschoppen wanderte 1981 auf den Kirmesplatz unter den freien Himmel. Da in diesem Jahr kein Schießmeister zur Verfügung stand, konnten die Schießjungen mit den Böllern
leider niemanden beim Weckzug aus den Federn „schießen“. Schlau wie sie waren behalfen sie sich aber mit Chinakrachern. Den Abschluß der Kirmes 1981 bildete zum erstenmal das bis heute beibehaltene Fischessen.
Sich auf die Tradition besinnend, baute man 1982 wieder eine Eierkrone. Sie stellte eine Glocke dar. In diesem Jahr feierte Willi Kessler sein 25 jähriges Kirmespräsidentenjubiläum und hielt unter großem Beifall die Baumrede.

Das 100 Meter lange Brot von 1981 war nur schwer zu überbieten. Mit dem größten Zwetschgenkuchen von Kesselheim wurde das Ziel aber nur knapp verfehlt. Bei einem Platzkonzert auf dem Kirmesplatz am Sonntagnachmittag ließen sich die Kesselheimer den Kuchen schmecken.
Das Baumaufstellen, wie schon erwähnt, ist nicht immer einfach. 1983 behinderten ein am Schulhof neu aufgestellter Fahnenmast und ein Leitungsmast auf der anderen Straßenseite das zügige Aufstellen des Baumes. Ein langer Stau bildete sich sehr schnell. Zum Glück befand sich in dem Stau ein Schaufelbagger, mit dessen Hilfe dann der Baum aufgestellt werden konnte. Im gleichen Jahr wurde der Fähnrich erstmals von den Schießjungen aus ihrer Reihe gewählt. Dies machte man aber nur zwei Jahre und verlegte dann die Fähnrichswahl wieder in die Jahreshauptversammlung.
1984 wurde das VfL-Vereinshaus umgebaut. Die Kirmes fand in einer „Baustelle“ statt. So wurde mit viel Liebe die Halle geschmückt und verschönert. Sogar kleine Bäume von der Baumschule Rickhey wurden in der Halle aufgestellt.

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Die wilden 60er (und 70er)

Sonntag, 28. Februar 2010 15:21

Geschrieben von: Helmut Schüller
Die Arbeit im Vorstand der Kirmesgesellschaft verlangt nicht nur Einsatz sondern auch viel Zeit. 1966 mußte aus diesem Grund der 1. Vorsitzende aus beruflichen Gründen sein Amt niederlegen. Da sich kein Ersatz für dieses Amt fand übernahm der 2. Vorsitzende für dieses Jahr die Aufgabe des 1. Vorsitzenden.
Im gleichen Jahr fand zum ersten Mal der Tanz in der VfL Turnhalle statt. Zuvor tanzte man immer abwechselnd in den Vereinslokalen in den Sälen.

Auch der Kirmesbaum blieb nicht immer an der gleichen Stelle. Er wanderte 1968 vom Kirchvorplatz auf den Schulhof. Dies war nötig geworden, da bei der Sanierung der Straße das alte Baumloch mit verschlossen wurde.
Im gleichen Jahr fand der Sonntagnachmittag, welcher immer für die Familie zur freien Gestaltung gedacht war, eine neue Form. Der Beatnachmittag für die Jugendlichen bekam seinen Platz im Programm.
Ende der 60er Jahre platzte der Kirmesplatz aus allen Nähten. Hierauf reagierte die Kesselheimer Gemeinde und kaufte 1969 Gartenland von Herrn Johann Münzel. Dieses Grundstück ist heute der obere Teil des Kirmesplatzes und der Spielplatz.
Die Kirmeskrone ging auch mit der Zeit. Eine Eierkrone war 1971 nicht mehr das Maß der Dinge, sondern eine vollelektronische Krone wurde gebaut und 1973 leuchtete als Krone ein Stern vom Baum.
Ein Jahr vorher 1972 feierte man das 50 jährige bestehen der Kirmesgesellschaft. Ein großer Festumzug am Sonntagnachmittag war einer der Höhepunkte dieser Kirmes. Zum Präsidenten wählte die Versammlung Herr J. Neumann und das Amt des 1. Vorsitzenden übernahm Herr R. Mohr . Vorher war der 1. Vorsitzende gleichzeitig auch der Kirmespräsident. In diesem Jahr gab es erstmals eine Trennung beider Ämter.
Beim traditionellen Fackelzug, unterstützt von der Freiwilligen Feuerwehr, machte der Umzug Station beim Kirmespräsidenten und holte ihn zur Baumrede ab.
Auch bei dem traditionellen Hauptpreis der großen Tombola gab es eine Änderung. Als Hauptpreis konnte man bis dahin immer den Kirmesbaum gewinnen. Früher ein sehr gefragter Preis um ihn als Brennholz zu verwerten.
In diesem Jahr verloste die Kirmesgesellschaft zusätzlich als Hauptgewinn eine Urlaubsreise. Der Höhepunkt des Frühschoppens am Montag bildete die Ernennung der acht ältesten Kirmespräsidenten zu Ehrenmitgliedern.
Zur Verschönerung des Frühschoppen am Montag trat in der Turnhalle 1975 die Tanzgruppe Ernerth und ein Jahr später die Tanz- und Trachtengruppe Güls auf. Es spielte zur Unterhaltung der Gäste die Bordkapelle der Köln-Düsseldorfer, welche regen Beifall von den Zuschauern erntete.
Die Kirmes ist für alle da, für Jung und Alt. Am Dienstagnachmittag des gleichen Jahres wurde erstmals zum Seniorenkaffee eingeladen. Ein auch bis heute noch beliebter Treffpunkt der Kesselheimer Seniorinnen und Senoren. Der damalige Pastor Herr Bruchhäuser brachte, mit seinem interessanten Diavortrag viel Abwechslung in diesen Nachmittag.
Der seit 1968 immer stark besuchte Beatnachmittag wandelte man 1978 in einen „Rock-Circus“ um. Fünf Bands aus der Koblenzer Rockszene verpflichtete die Kirmesgesellschaft für diesen Nachmittag. Zwei Jahre später wurde der „Beatnachmittag“ auf den Freitagabend verlegt und zu einer Disco umgestaltet. Diese Disco wurde lange Jahre beibehalten, denn sie kam bestens bei der Jugend an. So wurden an einem Freitagabend über 500 Gäste im VfL Vereinshaus eingelassen.
Einen Vorstand zu wählen scheint nicht immer leicht zu sein. 1979 gab es Probleme bei der Wahl des Vorstandes. Auf der Jahreshauptversammlung wählten die Anwesenden Mitglieder zuerst einen Arbeitskreis. Dieser wählte dann aus seinen Reihen den Vorstand. Da sich aber kein Kirmespräsident fand trug erstmalig ein Schießjunge ( Bernd Kreuter ) die traditionelle Baumrede vor. „Anschließend tanzten einige Schießjungen mit hübschen jungen Mädchen einen schwungvollen Foxtrott unter dem Kirmesbaum. (Protokoll 1979)“. Im darauffolgendem Jahr hielt Altschießjunge Klaus Seibrich die Baumrede und 1981 das Schießmädchen Uschi Geiß.

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Nach dem Krieg

Sonntag, 28. Februar 2010 15:20

In einem Jahr sind es zu viele Schausteller im anderen zu wenige. 1955 warteten die Kesselheimer Kinder vergebens auf ein Karussell. Der Schausteller hielt seine feste Zusage nicht ein. Aber auch ohne Karussell ging es bei der Kesselheimer Kirmes rund.
Der Weckruf begann, wie auch vor dem Krieg, schon um 5 Uhr am Sonntagmorgen. Erst 1958 verlegte man ihn um 1 Stunde später auf 6 Uhr. Er wurde, wie so oft, begleitet vom Spielmannszug Kesselheim.
Im nachfolgenden Jahr kündeten nach langer Pause wieder Böllerschüsse von der Kirmes in Kesselheim.
Das „Baumholen“ war und ist eine ehrenvolle aber nicht immer eine einfache Aufgabe. Um den schönsten und längsten Baum zu bekommen sind einige Anstrengungen von Nöten. Auch trugen vereinzelt einige Aktive Blessuren davon. 1959 verletzten sich der Schießmeister Werner Horn und Fritz Daumen beim Transport, so daß sie im Krankenhaus behandelt werden mußten. Doch der Einsatz lohnte sich. Denn der Baum wurde nicht wie jedes Jahr verlost, sondern der Schreinerei Streit zur Verfügung gestellt. Aus ihm fertigte sie fünf Sitzbänke, welche am Rhein aufgestellt wurden.
1962 hatte die Kirmesgesellschaft bis dahin den
wohl mit Abstand längsten Baum. Seine Länge betrug ganze 28 m. Ein Jahr zuvor, 1961, blieb der Baum nicht ganz unbeschadet. Die Baumkrone brach beim Transport aus dem Wald ab. Fleißige Hände brachten dieses Mißgeschick aber wieder schnell in Ordnung und als der Baum stand sah man ihm die kleine Reparatur nicht mehr an.
Zu jener Zeit wurde jedes Jahr eine Eierkrone gebaut. Die Motive wechselten jährlich und fanden viel Anklang im Dorf. Sie bestanden aus bis zu 3000 ausgeblasenen Eiern (1951 einen Blumenkorb mit einem Umfang von 4 Meter). So wurden z.B. ein Pilsglas, ein Weinpokal, eine Glocke oder das Kesselheimer Wappen gebaut.
Nach 12-jähriger Unterbrechung wurde 1961 wieder ein Feuerwerk, zum Jubel der Kesselheimer, am Samstagabend entfacht.

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Umzug und Krieg

Sonntag, 28. Februar 2010 15:19

Geschrieben von: Helmut Schüller
Der Platzbedarf für die Schausteller wurde von Jahr zu Jahr größer. Der Platz vor der Kirche wurde zu klein. 1937 entschloß sich die Gemeinde Kesselheim einen Kirmesplatz anzulegen. Hierfür kaufte sie von Herrn Josef Münzel Gartenland, das heute den untere Teil des Kirmesplatzes bildet. Dort hatten die Schausteller nun genügend Platz und waren alle an einem Ort versammelt.
Die letzte Kirmes vor dem 2. Weltkrieg feierten die Kesselheimer im Jahr 1938. Die Kirmes für 1939 war schon vorbereitet, fiel aber wegen des Kriegsbeginns aus.
Sehr bald nach dem Krieg dachte man schon wieder an die Kirmes. Mit einem Sack Kartoffeln für den Förster, machten sich einige Männer auf in den Stadtwald. Im Tausch gegen die Kartoffeln durften sie einen Kirmesbaum schlagen. Schon 1947 stand wieder ein Kirmesbaum in Kesselheim.
Nach 10 jähriger Pause wurde 1948 die Kirmesgesellschaft wieder aktiv. Die erste Versammlung nach dem Krieg eröffnete das ehemalige Vorstandsmitglied von 1938 Herr Willi Bubenheim. Der erste Kirmespräsident nach dem Krieg war unser heutiges Ehrenmitglied Herr Willi Reif.
Die lange Pause brachte auch einige Veränderungen mit sich. So wählte die Versammlung keinen Zugführer mehr, der für den Festumzug zuständig war. Den Festumzug selbst verlegte man vom Montag auf den Sonntag. Ein großes Feuerwerk verschönerte erstmals den samstagabendlichen Fackelzug.
Nach dem Kirchgang, am Montagmorgen, wurde am Ehrenmal den Toten und Vermißten beider Weltkriege gedacht und ein Kranz niedergelegt. Den darauf folgenden Frühschoppen verschönerte der MGV, wie auch in den folgenden Jahre, durch seine gesangliche Darbietungen. Auf dem Frühschoppen wählten die Mitglieder, genauso wie vor dem Krieg, ihren Fähnrich. Den Wein zum Tanz und Frühschoppen brachte man selbst mit und bezahlte dem Wirt „Stoppengeld“. Es herrschte zu dieser Zeit noch kein Überfluß. Bei der Kinderbelustigung wurden keine ganzen Würste verteilt, sondern nur kleine Stückchen. Diese banden die Schießjungen an Angelruten und verteilten sie damit an die anwesenden Kinder.

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Schwere Zeiten

Sonntag, 28. Februar 2010 15:18

Geschrieben von: Helmut Schüller
In den zwanziger Jahren war unter anderem das „Lochmachen“ eine ehrenvolle Aufgabe. Für den Kirmesbaum mußte jedes Jahr aufs Neue ein Loch gegraben werden. Es befand sich mitten auf der Straße vor der Kirche. Diese Arbeit erübrigte sich 1937, denn die Gemeinde baute der Kirmesgesellschaft ein Baumloch. Dieses Baumloch konnte durch die Kirmesgesellschaft nun gegen eine Miete von 5 Reichsmark genutzt werden.
Den Kirmesbaum holte man zur Gründerzeit noch aus Winningen. Seit 1930 bis heute wird der Baum im Koblenzer Stadtwald geschlagen.
An erster Stelle stand und steht noch heute für die Kirmesgesellschaft die Geselligkeit. So trug es sich 1930 auf einer Versammlung zu, daß von dem in diesem Jahr erwirtschafteten Gewinn ein Faß Bier gekauft und in gemütlicher Runde der Mitglieder des Vereins seiner Bestimmung zugeführt wurde. Im selben Jahr schloß man erstmals eine Unfallversicherung für die aktiven Mitglieder ab.
Mitte der dreißiger Jahre verringerte sich die Mitgliederzahl immer mehr und betrug nur noch 50 Mitglieder. Durch die geringe Mitgliederzahl schrumpfte auch der Kassenbestand. Hierdurch war die Durchführung der Kirmes gefährdet. Auf der Versammlung 1935 erklärten sich die zum Militär und Arbeitsdienst gemusterten Männer bereit für die Kirmes sammeln zu gehen. Erfolgreich zogen sie mit der Sammelbüchse durch Kesselheim und trugen somit zum Gelingen der Kirmes bei. Dank der Großzügigkeit der Kesselheimer konnte wie all die Jahre zuvor die Kirmes gefeiert werden.

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Die Gründung

Sonntag, 28. Februar 2010 15:17

Geschrieben von: Helmut Schüller
Ein Jahr später – 1922 – gründete man dann die Kirmesgesellschaft Kesselheim. Ihre Aufgabe war es die Organisation und Gestaltung der Kirmes zu übernehmen.
1924 bekam die Kirmesgesellschaft eine Fahne, die bis heute – 2005 frisch instand gesetzt – auf allen Umzügen in Kesselheim mitgetragen wird und inzwischen auch eine jüngere Schwester, die Standarte der KG, bekommen hat. Die alte Fahne wurde noch von den Nonnen des Klosters Maria Trost genäht.
Die „Jünglingsfahne der Pfarrei Kesselheim“ hat das Motto „ora et labora“ (bete und arbeite). Diese Fahne trug für je ein Jahr lang der Fähnrich, welcher auf dem Frühschoppen gewählt wurde. Gewählt werden durfte nur ein Junggeselle, der noch nie Fähnrich war.
Sehr schnell wuchs die Mitgliederzahl. 1926 hatten sich schon 92 Mitglieder in das Vereinsregister eingetragen.

Höhepunkte des damaligen Kirmesprogrammes war der Tanz in den Sälen der Vereinslokale, in der Wirtschaft Witwe Weller (heute „Deutsches Haus“) und bei Jean Milz, welche sich jährlich abwechselten. Die Tanzmusik und die Musik für den Umzug wurde von den Wirten bezahlt. Jeder Tanz mußte einzeln bezahlt werden. Für die Mitglieder des Vereins mit Tanzschleifchen kostete ein Tanz 5 Pfennige. Nichtmitglieder mußten das doppelte an die Musik zahlen. Ein für damalige Verhältnisse nicht billiges Vergnügen. Die Kirmes war in diesen Tagen eines der wenigen Feste im Jahr. An diesem Wochenende und besonders am Kirmesmontag feierte ganz Kesselheim und die Arbeit ruhte im ganzen Dorf.
Um die Nachricht der Kirmes auch weithin Kund geben zu können, stifteten die Brüder Lenarz vom Kloster Maria Trost zwei Böller. Diese wurden nicht wie in späteren Jahren von den Schießjungen abgefeuert, sondern ausschließlich von dem Gemeindediener. Der einzige Schießplatz befand sich direkt am Rhein unterhalb der Kirche. Im Gegensatz zu heute wo überall im Dorf auf dafür geeigneten Plätzen geschossen wird.
Die heutige Kinderbelustigung war auch schon damals ein fester Programmpunkt der Kirmes. Sie hatte aber die Bezeichnung Volksbelustigung. Heute ist die Kinderbelustigung nicht mehr weg zu denken. Zu Beginn ihres Bestehens mußte sie aber einige Hürden überwinden. Aus Geldmangel wollte man sie schon sehr bald wieder streichen. Dieser Vorschlag traf aber in der jährlichen Mitgliederversammlung auf lebhaften Widerstand und fand keine Mehrheit.

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Vor dem Verein

Sonntag, 28. Februar 2010 15:14

Geschrieben von: Helmut Schüller
Lange vor der Gründung der Kesselheimer Kirmesgesellschaft St. Martin e.V. feierten die Kesselheimer schon das Kirchweihfest der Pfarrkirche St. Martin. Es wurde immer am 1. Sonntag nach St. Martin, dem 11. November, gefeiert. Der Kirmesplatz und der Kirmesbaum befanden sich vor der Kirche.
Zu dieser Zeit hatte Kesselheim noch keinen Strom. und die Karussells wurden von Pferden angetrieben oder von Menschenkraft. So konnten die Kinder beim Antreiben helfen und erhielten für fünf Fahrten bei denen sie halfen eine Freifahrt.

In der Zeit nach dem 1. Weltkrieg war das Wetter an den Kirmeswochenenden immer sehr schlecht. Die Kirmes konnte nicht wie üblich bei schönem Wetter gefeiert werden. Aus diesem Grund versammelten sich 1921 die Kesselheimer Bürger im Saal der Wirtschaft Joseph Milz (heute Keglerstübchen) zu einer Bürgerversammlung. Die Kirmes sollte auf ein Wochenende vorverlegt werden, an dem das Wetter schöner ist. Nach heftiger Debatte über das Für und Wider der Verlegung kam es zur Abstimmung. Achtzehn stimmten für die Beibehaltung und 42 für die Verlegung auf den ersten Sonntag im September.
Denn bis zum September hatten die Bauern ihren Weizen, den Roggen, die Gerste usw. geerntet und bis zur Kartoffelernte war noch genügend Zeit. Die Bauern, die damals den überwiegenden Teil der Kesselheimer Bevölkerung darstellten, hatten zu Beginn des September Zeit zu feiern. Somit feierte Kesselheim im Jahre 1921 die erste Kirmes im September.

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