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Böllerschießen

Sonntag, 28. Februar 2010 15:42

Die Tradition des Böllerschießens in Kesselheim

Sicher haben Sie sich schon einmal gefragt, weshalb an Kirmes in Kesselheim eine Gruppe junger Menschen im Blaumann, mit Strohhüten und einem Handkarren durch’s Dorf zieht und immer wieder drei Böllerschüsse abgibt.

Natürlich handelt es sich hierbei um unsere Schießleute (nicht mehr Schießjungen – da sind schon länger auch Frauen dabei!), die diese Tradition pflegen.

Es ist eigentlich nicht genau bekannt, wo diese Tradition herkommt, aber auf den Rheindörfern (Kesselheim, St. Sebastian, Kaltenengers und Urmitz) gehören die Schießleute zur Kirmes dazu. Sicherlich dienen die Böllerschüsse dazu, in der ganzen Region bekannt zu machen, dass in Kesselheim Kirmes gefeiert wird.

Denn man hört die Schüsse tatsächlich bis nach Urmitz in der einen und bis nach Neuendorf in der anderen Richtung – von der anderen Rheinseite ganz zu schweigen!

Auch wenn über die Herkunft dieser Tradition heute nicht mehr viel bekannt ist, so wird doch erzählt, dass es in Kesselheim früher nicht nur die heute noch vorhandenen drei Böller gab. Man sprich statt dessen von bis zu zehn Katze’köpp, wie die Böller auch genannt werden, die im Besitz der Kirmesgesellschaft waren und an Kirmes abgefeuert wurden.

Leider sind über die Jahre nur die „Emma“ und ihre zwei kleinen Schwestern übrig geblieben.

Die „Emma“ ist mit 35 Kilogramm der größte Böller in unserem Besitz. Dazu hat sie noch nicht einmal Griffe wie ihre kleinen Schwestern, so dass es eine schöne Plackerei ist, das kleine Biest aus und in die Karre zu heben.

Die kleinen Schwestern der „Emma“ haben keine Namen, sind aber mit rund 25 Kilogramm auch nicht gerade Leichtgewichte.

Zum Abschießen der Böller benötigt man natürlich eine Genehmigung und auch einen Lehrgang zum „Schießmeister“. Tobias Hebel hat im Juni 2003 diesen Lehrgang besucht und damit eine „Erlaubnis nach §27 des Sprengstoffgesetzes zum Erwerb und Umgang mit Böllerpulver“ erworben. Seit dem hat er das für die Kirmes wichtige Amt des Schießmeisters inne.

Wie werden die Böller nun abgeschossen?

Wenn sie denn endlich aus dem Handkarran gewuchtet sind, natürlich an genehmigten Schießplätzen (Mindestabstände müssen eingehalten werden können), füllt der Schießmeister die vorgesehenen Mengen Böllerpulver in die Böller. Anschlileßend wird mit Hilfe eines Holzhammers und eines Ansetzers – wir sagen eines Keils – Zeitungspapier in den Lauf getrieben und verdichtet – also gekeilt.

Dann legt der Schießmeister Zündhütchen unter die Fallhämmer, legt die Reißleinen aus und kontrolliert noch einmal das Schussfeld und die Umgebung, ob die Sicherheitsabstände eingehalten und sind (Personen, Fahrzeuge usw.). Wenn alles in Ordnung ist, gibt er durch Ziehen an den Reißleinendie drei vorbereiteten Schüsse ab. So einfach dieses Ziehen aussieht, soviel Übung erfordert es doch, denn die Fallhämmer brignen das Zündhütchen nur zur Explosion, wenn sie ordentlich feste aufschlagen.

Hier zeigt sich auch, ob die Ladungen richtig gekeilt wurden. Von einem dezenten „PFFFFFSCH“ bis zu heftig lauten Böllerschüssen reicht da die Palette der Klangfarben.

Anschließend werden die Böller ausgeklopft, um etweige Pulver- und Papierreste zu entfernen, bevor die schweren Geräte verladen und zum nächsten Schießplatz bebracht werden.

Das alles hört sich hier nicht so spektakulär an, aber wer schon einmal dabei stand, wenn ein Böller gezündet wurde weiß, dass es schon mchtig knallt, wenn die Dinger richtig gekeilt wurden!

So mancher ehemalige Schießjunge wird sich nun fragen, was ich denn hier für einen Quatsch schreibe.

Früher wurden die Böller doch mit dem Hammer gezündet! Stimmt! Ganz früher sogar mit einer Lunte, die wie beim Luntengewehr sogenanntes Schießkraut in der Pfanne entzündete, welches dann die eigentlich Treibladung gezündet hat.

Aber auch hier haben uns die Sicherheitsvorschriften eingeholt. Als erstes mussten die Böller vor Jahren mit den Fallhämmern versehen werden, welche dann ein Zündhütchen mittels Hammerschlag gezündet haben. Aber auch diese Vorgehensweise ist mittlerweile nicht mehr gestattet, da hierbei der geforderte Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann.

Daher also das Abschießen mit den Reißleinen. Ohne diese Veränderungen bekämen wir die Böller mit Sicherheit nicht mehr durch die Beschussprüfung, welche ähnlich wie der TÜV alle fünf Jahre den ordnungsgemäßen Zustand und die Sicherheit unserer Böller überprüft.

In anderen Ortschaften ist man sogar noch moderner: Dort werden die Böller über eletronische Zündvorrichtungen gezündet!

Ich hoffe, wir konnten Ihnen einige Fragen beantworten. Sollten Sie noch weitere Fragen haben, sprechen Sie doch die Schießleute oder den Vorstand bei der nächsten Kirmes einfach an. Wir versuchen gerne, Ihnen diese zu beantworten!

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Schießleute

Sonntag, 28. Februar 2010 15:40

Die Schießleute

Schießleute, was ist das denn?

Bericht einer „Neuen“ (Sonja Keßler):

Letzten Sommer wurde ich nach Kesselheim importiert, da sich kein richtiges Kesselheimer Schießmädchen hatte finden lassen..

Und weil meine Mama ja bekanntlich aus Kesselheim stammt, wurde ich eben gefragt ob ich nicht Lust hätte mitzumachen.

Schon lange vor Kirmes stand das erste Treffen an, bei dem

ich die anderen Schießleute kennen lernte. Den bunt zusammengewürfeltem Haufen nennt man Schießleute, da diese Leute an Kirmes neben repräsentativen Aufgaben die Hauptaufgabe haben, mit den Böllern zu schießen.

Nun konnte also die Kirmesvorbereitung starten:

Eierkrone bauen, falsch, erst mal eine Idee haben, was denn da an den Baum rann soll.

Es muss nicht unbedingt ne Krone aus Eiern am Kirmesbaum hängen – Es kann auch was anderes sein. (Mein Cholesterinspiegel dankt!)

Aber der Tradition nach ist es eine Eierkrone, und die muss von den Schießleuten gebaut werden.

Diese Eierkrone zu bauen ist die beste Vorbereitung auf Kirmes. Dabei kann man nämlich schon mal den Geschmack von Bier testen. Dadurch kommen dann auch die kreativen Gedanken zum Motto unter dem die Eierkrone steht.

Ok, Krone fertig, Motto ausgedacht, Kirmes kann kommen – Denkste!

Schießleute brauchen noch ne Fahne. Und auf die muss immer gut aufgepasst werden, denn wenn sie geklaut wird, kanndas ganz schön teuer werden, die wieder auszulösen. Und Langfinger, die nur darauf warten, dass einer der Schießleute etwas verliert, was dann gegen viel Bier wieder ausgelöst werden muss, gibt es viele!

Die Fahne muss natürlich auch gemalt werden – und gegen Fahnendiebe gesichert werden. Das darf natürlich nicht allzu offensichtlich sein… schließlich wollen wir ja das blöde Gesicht von dem sehen, der es versucht und in die Falle tappt.

Ok, Krone fertig, Motto ausgedacht, Fahne gemalt, Kirmes kann kommen – Nein, immer noch nicht richtig.

Es fehlt noch die Schlafunterkunft, dem Handwagen für die Böller muss noch eine weitere Lage Farbe verpasst werden, einheitliche T-Shirts sehen nett aus…

Außerdem müssen ja noch die Zeitungen verteilt und die Fähnchen verkauft werden. Und die Plakate für die Kirmes hängen sich auch nciht von alleine in den Nachbargemeinden auf!

Wenn das alles gemacht, besorgt und organisiert ist, dann kann Kirmes kommen. Allerdings startet die nicht erst Freitags abends. Mittwochs kommen schon die ersten Getränkewagen, die mit vereinten Kräften auf der Wiese neben dem Kirmesplatz hin und her geschoben werden müssen, bis es Christophs kritischem Auge genügt. Die Schießleute helfen natürlich auch das Zelt aufbauen, das Donnerstags angeliefert wird. Ich kann wirklich nur empfehlen da mal mitzumachen… da lernt man neue Wörter oder wissen Sie, was „undahbauen“ heißt? Ich jetzt schon.

Die Kirmes beginnt

Freitags geht’s dann richtig los mit der Kirmes. Für Schießleute normalerweise mit Theken- und Abräumdienst im Festzelt.

Um 0 Uhr heißt es dann: Umziehen. Für die Kirmes fein machen. Also Blaumann an und feiern bis zum nächsten Morgen.

Nach einer mehr oder weniger kurzen Nacht heißt es dann Kirmesbaum hohlen. Bzr leider liegt der noch im Wald….

Erst mal im Stammrestaurant mit dem großen M frühstücken und los geht’s, ab in den Wald. Dort wird dann der Baum, der schon am Vortag ausgesucht und gefällt wurde, verladen und mit Polizeieskorte nach Kesselheim geschleppt. In Kesselheim wird der Baum dann vor der Kirche aufgestellt und die Krone präsentiert und angebracht. Das kann schonmal bis 15 Uhr dauern.

Die nun folgenden Tage nutzen die Schießleute dafür, den Ruf zu zerstören, für den die KG das ganze Jahr arbeitet. Und das geht so:

Bier trinken, die Schießleutefahne bewachen, Schmuck für den Strohhut an der Schießbude schießen und mit den Böllern so viel Krach wie möglich machen.

Immer dabei ist der Hannes, eine Strohpuppe die aussieht wie einer von uns. Außerdem muss sich jeder der Schießleute noch ein Maskottchen an der Schießbude schießen, auf das mindestens genauso gut aufgepasst werden muss wie auf Hut, Button und Fahne – denn wenn man nicht richtig angezogen ist, wirds teuer, und dazu gehören nun mal Blaumann, Hut, Button und Maskottchen. „Teuer werden“, bedeutet eine Quittung bekommen, die gibt’s immer wenn man was „falsch“ gemacht hat.

Zwischendurch muss der Fähnrich noch mal mit der echten KG-Fahne in die Kirche, die Straße wird gesperrt um etwas Kirmeszoll einzutreiben, Bier muss vernichtet werden und die Böller müssen ständig von einem Schießplatz zum anderen gezogen werden.

Das geselligste Ereignis der Kirmes ist eigentlich immer der Weckzug, Sonntags morgens um 6 Uhr. Da machen sich alle, die Samstags abends irgendwie das Heimgehen vergessen haben – und somit Sonntags morgens noch da sind – auf den Weg, um die Kesselheimer mit weniger Ausdauer zu wecken und wieder auf den Kirmesplatz zu rufen.

Wie viele Tage das so geht, das weiß am Ende irgendwie keiner der Schießleute mehr.

Dass bald das schöne Leben auf der Kirmes vorbei ist, das merken die Schießleute erst, wenn Kinderbelustigung ansteht. Also schnell ein paar Mohrenköpfe, etwas Senf und sonstigen Kleinkram besorgt und bei den Fahrgeschäften ein paar Chips für die Kinder gekauft.

Tja, dann geht’s ab in den Kindergarten und die Grundschule. Während man im Kindergarten noch mit den Kindern in der Kuschelecke ein Mittagsschläfchen halten kann, muss man in der Schule aufpassen, dass man nicht total gerupft wird.

Montags Nachmittags steht man dann da, umringt von fast allen Kesselheimer Kindern, auf nem Anhänger, und testet mal aus, was Kinder alles so machen um nen Chip für eines der Fahrgeschäfte zu bekommen.

Abends ist es dann leider schon wieder vorbei, die Kirmesbeerdigung steht an, bei der der Hannes verbrannt wird.

Nun muss man wieder ins normale Leben zurück: Mindestens dreimal duschen, um den Kirmesmief den die Schießleute immer um sich herum haben loszuwerden, den Blaumann in die Ecke stellen, für Maskottchen, Button und Hut einen ehrenvollen Platz finden und sich aufs nächste Jahr freuen.

Stopp, fast hätte ich’s vergessen: der Kirmesplatz muss natürlich auch noch zurück in seinen Ursprungszustand verwandelt werden. Meistens nimmt das den ganzen Dienstag in Anspruch, aber danach darf man sich dann wirklich ausruhen und auf das nächste Jahr freuen.

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Die Böller

Sonntag, 28. Februar 2010 15:34

Unsere Böller

Jahrebericht 2009
(aus der Kirmeszeitung 2010)

….

Am Sonntag um 14 Uhr war es dann endlich soweit. Die alte Emma und ihre zwei Schwestern wurden nach langjähriger Treue in den Ruhestand geschickt und von 3 neuen Böllern ersetzt. Die neuen Böller wurden traditionell von unserem Pastor Herrn Corsten vorab geweiht. Anschließend hielten der Ortsvorsteher Herr Herbert Dott und unser ehemaliger erster Vorsitzender Bernd Naunheim eine kurze Rede.

Die neuen Böller wurden uns von der Sparkasse Koblenz, der Raiffeisenbank Mittelrhein und Herrn Klaus Schützeichel gesponsort. Jeder durfte natürlich auch seinem Böller einen Namen geben und anschließend den ersten Böller abfeuern.

Unsere 3 Neuen tragen nun die Namen

Katharina, Karin und Kläusschen.

….

Unsere neuen Böller
Artikel der Schießjungen von Jonas Gerolstein (Kirmeszeitung 2010)

Schauen wir zurück auf die Kirmes 2009 aus der Sicht der Schießleute.

….

Das wichtigste Ereignis für uns, wie aber bestimmt auch für viele andere Kesselheimerinnen und Kesselheimer, war die Präsentation und Aufnahme der neuen Kanonen. Zugegeben, der Abschied von  den alten Kanonen, allen voran unserer Emma, fiel uns allen nicht sehr leicht, da sie eigentlich sowas wie Kultstatus besitzt.

Aber mittlerweile haben wir auch die Neuen voll und ganz akzeptiert und freuen uns darauf, diese endlich wieder mit Schießpulver zu laden. Dank gilt hier unserem Schießmeister Chrissi Ladendorff, der alle drei neuen Böller optisch den Alten angepasst hat! Auch möchten wir nochmal den drei Spendern danken, die die Anschaffung unseres wichtigsten Arbeitsgeräts erst ermöglicht haben.

…..

Böller im Besitz der KG

Emma

Name:  Emma

Nummer:  180578 / 290

Gewicht:  35kg

Hersteller / Modell:

<unbekannt>

Kaliber:  40mm Standböller

zulässige Gebrauchsladung:

100,0g Böllerpulver

25,0g Vorlage

zuletzt beschossen:

20.12.2006

Emmas Schwestern

Name:  <unbekannt>

Nummer:  200578 / 289

190578 / 288

Gewicht:  25kg

Hersteller / Modell:

<unbekannt>

Kaliber:  30mm

zulässige Gebrauchsladung:

60,0g Böllerpulver

20,0g Vorlage

zuletzt beschossen:

20.12.2006

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