Böllerschießen

Die Tradition des Böllerschießens in Kesselheim

Sicher haben Sie sich schon einmal gefragt, weshalb an Kirmes in Kesselheim eine Gruppe junger Menschen im Blaumann, mit Strohhüten und einem Handkarren durch’s Dorf zieht und immer wieder drei Böllerschüsse abgibt.

Natürlich handelt es sich hierbei um unsere Schießleute (nicht mehr Schießjungen – da sind schon länger auch Frauen dabei!), die diese Tradition pflegen.

Es ist eigentlich nicht genau bekannt, wo diese Tradition herkommt, aber auf den Rheindörfern (Kesselheim, St. Sebastian, Kaltenengers und Urmitz) gehören die Schießleute zur Kirmes dazu. Sicherlich dienen die Böllerschüsse dazu, in der ganzen Region bekannt zu machen, dass in Kesselheim Kirmes gefeiert wird.

Denn man hört die Schüsse tatsächlich bis nach Urmitz in der einen und bis nach Neuendorf in der anderen Richtung – von der anderen Rheinseite ganz zu schweigen!

Auch wenn über die Herkunft dieser Tradition heute nicht mehr viel bekannt ist, so wird doch erzählt, dass es in Kesselheim früher nicht nur die heute noch vorhandenen drei Böller gab. Man sprich statt dessen von bis zu zehn Katze’köpp, wie die Böller auch genannt werden, die im Besitz der Kirmesgesellschaft waren und an Kirmes abgefeuert wurden.

Leider sind über die Jahre nur die „Emma“ und ihre zwei kleinen Schwestern übrig geblieben.

Die „Emma“ ist mit 35 Kilogramm der größte Böller in unserem Besitz. Dazu hat sie noch nicht einmal Griffe wie ihre kleinen Schwestern, so dass es eine schöne Plackerei ist, das kleine Biest aus und in die Karre zu heben.

Die kleinen Schwestern der „Emma“ haben keine Namen, sind aber mit rund 25 Kilogramm auch nicht gerade Leichtgewichte.

Zum Abschießen der Böller benötigt man natürlich eine Genehmigung und auch einen Lehrgang zum „Schießmeister“. Tobias Hebel hat im Juni 2003 diesen Lehrgang besucht und damit eine „Erlaubnis nach §27 des Sprengstoffgesetzes zum Erwerb und Umgang mit Böllerpulver“ erworben. Seit dem hat er das für die Kirmes wichtige Amt des Schießmeisters inne.

Wie werden die Böller nun abgeschossen?

Wenn sie denn endlich aus dem Handkarran gewuchtet sind, natürlich an genehmigten Schießplätzen (Mindestabstände müssen eingehalten werden können), füllt der Schießmeister die vorgesehenen Mengen Böllerpulver in die Böller. Anschlileßend wird mit Hilfe eines Holzhammers und eines Ansetzers – wir sagen eines Keils – Zeitungspapier in den Lauf getrieben und verdichtet – also gekeilt.

Dann legt der Schießmeister Zündhütchen unter die Fallhämmer, legt die Reißleinen aus und kontrolliert noch einmal das Schussfeld und die Umgebung, ob die Sicherheitsabstände eingehalten und sind (Personen, Fahrzeuge usw.). Wenn alles in Ordnung ist, gibt er durch Ziehen an den Reißleinendie drei vorbereiteten Schüsse ab. So einfach dieses Ziehen aussieht, soviel Übung erfordert es doch, denn die Fallhämmer brignen das Zündhütchen nur zur Explosion, wenn sie ordentlich feste aufschlagen.

Hier zeigt sich auch, ob die Ladungen richtig gekeilt wurden. Von einem dezenten „PFFFFFSCH“ bis zu heftig lauten Böllerschüssen reicht da die Palette der Klangfarben.

Anschließend werden die Böller ausgeklopft, um etweige Pulver- und Papierreste zu entfernen, bevor die schweren Geräte verladen und zum nächsten Schießplatz bebracht werden.

Das alles hört sich hier nicht so spektakulär an, aber wer schon einmal dabei stand, wenn ein Böller gezündet wurde weiß, dass es schon mchtig knallt, wenn die Dinger richtig gekeilt wurden!

So mancher ehemalige Schießjunge wird sich nun fragen, was ich denn hier für einen Quatsch schreibe.

Früher wurden die Böller doch mit dem Hammer gezündet! Stimmt! Ganz früher sogar mit einer Lunte, die wie beim Luntengewehr sogenanntes Schießkraut in der Pfanne entzündete, welches dann die eigentlich Treibladung gezündet hat.

Aber auch hier haben uns die Sicherheitsvorschriften eingeholt. Als erstes mussten die Böller vor Jahren mit den Fallhämmern versehen werden, welche dann ein Zündhütchen mittels Hammerschlag gezündet haben. Aber auch diese Vorgehensweise ist mittlerweile nicht mehr gestattet, da hierbei der geforderte Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann.

Daher also das Abschießen mit den Reißleinen. Ohne diese Veränderungen bekämen wir die Böller mit Sicherheit nicht mehr durch die Beschussprüfung, welche ähnlich wie der TÜV alle fünf Jahre den ordnungsgemäßen Zustand und die Sicherheit unserer Böller überprüft.

In anderen Ortschaften ist man sogar noch moderner: Dort werden die Böller über eletronische Zündvorrichtungen gezündet!

Ich hoffe, wir konnten Ihnen einige Fragen beantworten. Sollten Sie noch weitere Fragen haben, sprechen Sie doch die Schießleute oder den Vorstand bei der nächsten Kirmes einfach an. Wir versuchen gerne, Ihnen diese zu beantworten!

Autor:
Datum: Sonntag, 28. Februar 2010 15:42
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